Ein Lied vom Seelenmord
von Matthias Mala

Die nachstehenden Senryūs reflektieren meine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS). Sie brach 2009 auf und wurde 2011 akut. Die Senryūs dokumentieren meinen psychotherapeutischen Prozess. Sie entstanden ab Herbst 2011 mit meiner ersten Traumatherapie, und ich schreibe bis jetzt immer weitere hinzu.
Ursächlich für meine kPTBS sind unter anderem die sadistisch-sexuelle Gewalt durch den Vater und der sexuelle Missbrauch durch die Mutter.
Mit einer akuten PTBS gehen auch psychosomatische Leiden einher. So kranke ich neben einem psychogenen Schwankschwindel an multiplen Entzündungen, die ihrerseits eine chronische Nesselsucht bedingen.
In enger Verbindung mit den Senryū entstanden Zeichnungen, in die ich als gestalterisches Element häufig ein Vers integrierte und die somit zum Haiga wurden.
Ein Senryū gleicht einem Haiku von seiner Rhythmik. Es besteht aus drei Zeilen mit insgesamt 17 Silben. Die erste und letzte Zeile umfassen je 5 Silben; die mittlere Zeile zählt 7 Silben. Im Gegensatz zum Haiku, das sich mit Naturbeobachtung befasst, widmet sich ein Senryū einer persönlichen und emotionalen Betrachtung. Beiden Verssorten ist wiederum gemeinsam, dass mit den beiden ersten Zeilen ein Umstand angedeutet wird, während die letzte Zeile eine Konklusion, eine Pointe oder eine häufig ironische Verkehrung des zuvor skizzierten Umstandes umreißt.

1
Eos bleicht die Nacht
Eine Seele verblutet
Feucht der Mutter Schoß.

2
Auf rosige Haut
Zeichnet er mit fester Hand
Blutige Striemen.

3
Niemand schimpft Väter
Tochterficker, doch den Sohn
Schimpf Motherfucker.

4
Der Seele Wunde
Binde mit roter Seide
Und Dein Albtraum weicht.

5
Über’m Knie, nah dem Schritt
Sanft wie fest der Mutter Hand
Macht den Sohn zum Mann.

6
Glanz und Freude
Im Auge seiner Kinder
Schlag um Schlag gelöscht.

7
Es war nicht, war nicht!
Wiederholt, bis die Lüge
Die Seele vereist.

8
Das böse Tier lebt,
Nennt sich Vater und Mutter.
Du sollst es ehren.

9
Dein Urvertrauen
War der Beginn der Sünde,
Die man dir zusprach.

10
Opfer gleich Täter,
Heißt die Mission der Schänder,
Um Opfer zu sein.

11
Die Sinne täuschen
Lust, wo Scham ein Kind verschlingt.
Drauf bleibt Schuld im Sinn.

12
Beim Wickeln nahm sie
Des Knaben Glied in den Mund.
Schweigen, ohne Scham.

13
Sie liebten am Kind
Die Macht, die sie sich nahmen.
Zersplittert das Kind.

14
Sein Kind erschlagen
Ein Familiendrama.
Worte vertuschen.

15
Lieb gehasstes Kind
Erlöse deine Eltern
Von ihrer Schuld.

16
Vater und Mutter
Zerschlagen Leib und Seele.
Wer brunzt auf ihr Grab?

17
Bruder, der Vater
Liegt bei der kleinen Schwester.
Kannst du sie schützen?

18
Die Augen starren
Unter die Schädeldecke
Tränenloser Schrei.

19
Wohin du auch blickst
Quillt altes Grauen hervor
Enteile ihm nicht.

20
Wieder einmal links
Aus tiefstem Herzen geschrien
Ich vergebe mir.

21
Vaters Kopf fällt vor
Mutters Füße in den Dreck
Ihr Kopf fällt danach.

22
Leide mein Leiden,
Mein von mir gefickter Sohn,
Saat meiner Bosheit.

23
Vier Kinder gezeugt.
Alle gut traumatisiert.
Wir armen Eltern.

24
Schattenspiel im Wind
Ahnen spuken mir im Kopf
Windstill. Täter tot.

25
Ein Wolf wälzt sich im
Luder aasiger Beute
Geruch der Eltern.

26
Vom Eiswind erstarrt
Bricht kaum berührt mein Herz.
Geschändetes Kind.

27
In ihrem Gesicht
Sucht er der Mutter Fratze
Und sieht nur Liebe.

28
Schneeglöckchen blühen
Wir wandern den Fluss entlang
Die Schändung läuft mit.

29
Angestammtem Leid
Zum Trotz, drängt das Kind zum Heil
Ich umarme mich.

30
Wolf oder Krähe
Nebelverhüllte Gestalt
War der Eltern Sein.

31
Überall Spuren
Erlittener Not und Qual
Tief in der Seele.

32
Winden und zucken
Weil vom Schrecken übermannt
Ein Bild der Eltern.

33
Sirrend die Rute
Zeichnet blutende Striemen
Lausch, Vaters Atem.

34
Habe meinen Sohn
Von klein auf krumm geprügelt
Er frisst aus der Hand.

35
Mein Bub wird mein Mann
Nach meiner Lust und Willen
Er liegt schon bei mir.

36
Meine Puppe sitzt
Auf meinem Bett und wartet
Sie wird mir zum Kind.

37
Sag nichts, denn niemand
Will hören, wie du dich schämst,
Dass dir das geschah.

38
Brennesselruten
Streichen über meine Haut
Der Schmerz der Schändung.

39
Nacht im Kinderheim
Daumenlutschen, Bettnässen
Die Eltern saufen.

40
Ein Engel posaunt
Allen Geschändeten Heil
Die Teufel kichern.

41
In der Mitte Nichts
Nur die Kraft, die kreisen lässt
Ich im Wechselspiel.

42
Erneut den Missbrauch
Tat um Tat beschaut, benannt.
Gedämpftes Trauma.

43
Den Stein umgedreht
Dunkelheit ins Licht gerückt
Fließt zurück zur Nacht.

44
Schneeglöckchen blühen
Auch meine Seele blüht auf
Wir fürchten den Frost.

45
Zu frühe Blüte
Zersplittert im Eisregen
Die Schändung lebt fort.

46
Tag um Tag das Leid
Beäugt, bedacht, besprochen
Weit mein Weg zum Heil.

47 (Vorstellung Sommergras 03/22)
Reise weit zurück
Um Leichen auszugraben
Psychotherapie.

48
Erst zwang Hans sein Glied
Meiner Schwester in die Hand,
Später der Vater.

49
Es brennt die Schändung
Schon vor der Tat im Gemüt.
Ein Menetekel.

50
Dem Alb entflohen
Verdrängt die Erinnerung
Manch schönen Moment.

51
In mir haust Schrecken,
Als böte ich ihm Bleibe.
Weiche Elterngeist!

52
Dir den Raum geben
In dem du für mich erblühst
Mein geliebtes Kind.

53
In deinen Träumen
Drückt dich der Täter Sünde
Süß derweil ihr Traum.

54
Schmerzlos ist der Riss
Es blutet nur die Seele
Des missbrauchten Kinds.

55
Ein böser Alb ist
nachts der Schrei der Seele, ist
die Mutter im Leib.

56
Das Böse, das ist
der Seele Schatten, der ist
die Mutter im Herz.

57
Aus der Tiefe des
Schädels steigt ein Albtraum auf.
So beginnt mein Tag.

58
Leiser Wind hebt mich
Aus mir, trägt meine Seele -
Kein Missbrauch in mir.

59
Es ist leer in mir
Kein Schmerz und keine Tränen
Leer und seelenlos.

60
Die Person entleert
Weit in den Raum geflohen
Mein Leib zur Schändung.

61
Die falschen Worte
Für die wahre Tat gewählt.
Sichtbar mein Trauma.

62
Das Gesicht bedeckt
Durch den Schatten der Täter
Mein Selbst verloren.

63
Befremdlich der Blick!
Wer zeigt sich dir im Spiegel?
Die Täter vor mir …

64
Schreib: meine Schändung.
Erschrecke und streich es aus.
Sie ist erlitten.

65
Mein Herz nur Liebe
Heilt Dich aus der Not der Welt
Mein Lotos erblüht.

66
D‘Vata fickt Schwesta.
Un i hob mei Mutta g‘fickt!
Daten ausgekotzt.

67
Sag besser: Wer hat
Dich gefickt, dich geschändet?
Es war die Mutter.

68
Von Schatten umstellt
Schließt sich der Seele Blüte.
Ich harre in mir.

69
Von der Therapie
Über den Friedhof spaziert
Blumenstrauß im Schnee.

70
Blumen erfrieren
Auf schneebedeckten Gräbern.
Die Seele bleibt warm.

71
Schnee fiel kurz davor.
Dann fiel sie vom fünften Stock
Auf weichen Boden.

72
Vom Bus aus siehst du
Das Haus aus dem sie einst sprang
Und hörst dich schreien.

73
Schamfrei wie schuldlos
mein Gefühl nach der Häutung
Gleichwohl verletzlich.

74
Ohne Schimpf und Schrei
Ruhig sagen, was geschah:
Ich wurde missbraucht!

75
Die Sonne tilgt die
Schatten, doch das Nachtmaar bleibt
Als Angst vor der Angst.

76
Des einen Abend
ist des anderen Morgen
Tautränen im Gras.

77
Der Tag tilgt die Nacht,
Doch die folgt ihm auf den Fuß
Trau dem Frieden nicht.

78
Fremd, mein Spiegelbild
Die Eltern blicken mich an
Entfleuche mir selbst.

79
Standhaft bleiben, wenn
Der Schrecken den Atem nimmt
Schau Dein Spiegelbild

80
Meinerselbst verliert
Sich beim Blick in den Spiegel
Sein fremdes Gesicht.

81
Dem Sumpf entwachsen
Doch unbeschmutzt geblieben
Lotoseigenschaft.

82
Wetterleuchten der
Schändung in meinem Gemüt
Klagendes Lauten.

83
Fünf für einen Streich
Doch niemals mehr als dreißig
Blutende Striemen.

84
Streifen trockenen
Bluts in der Unterhose
Eine Tracht Prügel.

85
Nach fünf Jahrzehnten
Spürst Du noch die Stockschläge
Sengend und blutig.

86
Jahre später saßt
Du mit dem Schänder und sahst
Er war erbärmlich.

87
Der Vater zeigt dir
Wie man seine Kinder quält
Teil der Ausbildung.

88
Nie bedacht, was es
War, was er tat, wie du littst.
Vergewaltigung.

89
Der Vater zeigt dir
Wie Mann im Stehen vögelt
Und fickt dich dabei.

90
Auf eure Asche
Tropft: Mein Blut, mein Schmerz, mein Leid
Vater und Mutter.

91
Ja? Nein? Tu es nicht
Diese letzte Hinwendung
Urne voll Urin.

92
Wie ein waidwundes
Tier wütest du gegen dich
Schonzeit für Täter.

93
Endlich seid ihr Dreck
Verbrannt doch nicht vergessen
Nur gottverlassen.

94
Ehre die Eltern
Für Ihren Missbrauch an dir
Verschweige die Schuld.

95
Ludergeruch lenkt
Dein Sinnen zur Teufelsbrut
Du riechst die Eltern.

96
Weinen statt Schreien
Löst die Wut vom Seelengrund
Schmerzliche Taufe.

97
Trostloser Kindheit
Flieht die Seele Stück um Stück
Tränen rosenrot.

98
Seit Herz und Seele
Begannen, zu gesunden,
Kann ich Kannst du Kann Meins auch weinen.

99
Meins weinte erst, als
Die Mutter, die mich fickte,
Ihren Scheiß erbrach.

100
Jede Träne löst
Die Schmach aus deiner Seele
Nicht genug geweint.

101
Der Höllensturz gilt
Dem Opfer und nicht dem Täter.
Schänder schlafen gut.

102
Schwarze Tränen der
Hölle trüben die Seele.
Falls du überlebst.

103
Not und Leid verspeckt
Bewahrte Verlassenheit
Einsamer Bruder.

104
Verwehrte Liebe
Stück um Stück hinabgeschluckt
Es bleibt sein Hunger.

105
Mein letzter Bruder
Fraß sich um Herz und Seele
Versunken im Leib.

106
Der erste Bruder
Mimte das Spiel der Täter
Kranke Anmaßung.

107
In Schweigen erstarrt
Lebt die Schwester als Schatten
Den Sieg der Täter.

108
Den Bruder einfach
Wegmalen der Missachtung
Ein Gesicht geben.

109
Aus dem Kreis treten
Die Schmach den Schmähern lassen
Auf immer entwischt.

110
Der Lösung nahe
Verwischen und entwischen
Nur Ruhe finden.

111
Mein Leid berührt ihn
Weder sichtbar noch hörbar
Es bleibt Mokita.

112
Habe die Schändung
Meinem Bruder offenbart
Nur er schweigt dazu.

113
Du wurd’st gehätschelt
Zum Lustknaben der Mutter
Nun wirst Du gefickt.

114
Verwischt und entwischt
Die Idee von Erlösung
Kindlicher Eifer.

115
Die Seele verwischt
Auf dass du ein Leben brauchst
Um dich zu finden.

116
Eure Einbildung
Bildet sich für euch mir ein
Fragt nie, wer ich bin.

117
Verlassen, verletzt
Eine sonnige Kindheit
Inmitten der Hölle.

118
Verletzt und beschämt
Bleibst du zerstückelt zurück
Es war Seelenmord.

119
Bruder, du barmst mir
Ob deines harten Herzens
Nur ein Klumpen Gold.

120
Erbarmen mit den
Tätern ist allein mein Schmerz
Als wäre ich Gott.

121
Nicht reden, auch nicht
Die Seele aus dem Leib schrei’n
Um dich zu verlier’n.

122
Therapieende
Die Seele kränkelt weiter
Auf Halde gelegt.

121
Steine weinen nicht
Doch knirschen beim zermalmen
Gleich Kinderseelen.

122
Gleichmaß im Trauma
Dein Tag vom Alb getaktet
Überlebender.

123
Ein Halbjahr verging
Ohne zum Schreck zu dichten
Als wär’s nur ein Tag.

124
Aus Scherben gefügt
Heilt allmählich zur Psyche
Sichtbar die Seele.

125
Zersplittert was Du
Nie warst, weil längst zertrümmert
Verwischt die Person.

126
Wartend auf Heilung
Verliert und findet sich Meins
Unsicher die Zeit.

127
Mit alten Stiften
Einen späten Schrei gemalt
Unverstummt mein Schreck.

128
Missbrauch ist Alltag
In Sippe und Gesellschaft
Und für das Opfer.

129
Nach zweihundert Stunden
Schreit die Seele immer noch
Mein Albtraum währt fort.

130
Spuksau, Muttersau
Verreckt, verrottet, dennoch
Irrlichternd in mir.

131
Noch eine Stunde
Dann Therapeutenwechsel
Für dasselbe Leid.

132
Milchglas im Fenster
Ebenso trüb mein Gemüt
Novemberseele.

133
Nacht für Nacht zerdrückt
Mir mein Alb Herz und Seele
Der Rest bleibt dem Tag.

134
Wappnen für die Nacht
Offen für der Liebe Sein
Durch die Hölle geh’n.

135
Novemberseele
Dein posttraumatisches Sein
Nebel weht ums Weh.

136
Bäume jammern mein
Weh, als litten sie mit mir
Es weht nur der Wind.

137
Wind heult im Baum, als
Weinten beide über mich
Mitleid wo Liebe.

138
Wieder und wieder
Sind Leib und Seele berührt
Als geschähe es jetzt.

139
Psychotherapeut
Ach, mein Gott, er macht mich krank
Auf dass er heil wird.

140
Ich kotz mich aus, um
Mich findend zu verlieren
Schöpfe mich durchs Wort.

141
Reden und reden
Wovon man kaum reden mag
Und das Leid schwindet?

142
Wintergrau die Stadt
Schmerzhaft die Erinnerung
An Missbrauch und Not.

143
Im Raum meiner Wut
Zerteilt, zerfetzt und zerhackt
Was von euch in mir.

144
So grausam die Nacht
Wie ein Tag bei den Eltern
Metamorphose.

145
Manchmal denke ich
Dass der Kreislauf meines Leids
Mutters Hölle ist.

146
Mit Samthandschuhen
Gelockt und gemein missbraucht
Doch immer Dame.

147
Blaubeeren im Korb
Gleich dunklen Seelenperlen
So fügt sich auch Meins.

148
Wie Glas zersplittert
Die Seele im Schoß von Meins
Und will sich finden.

149
Redundante Pein
Albtraum, Flashback, Seelenweh
Immer wieder neu!

150
Aus dem Höllenschlund
Der Mutter Scham geworfen
Welch prima Trauma.

151
Wie das Kind sich sucht
Im Schutt, zu dem wir‘s warfen
Und‘s findet sich nicht.

152
Die Seele vereist
Zu abertausend Flocken
Überlebende.

153
Die Seele vereist
Und schneit großflockig herab
Überlebende.

154
Mein Alb flieht die Nacht
Nistet schon im lichten Tag
Flashbacks und Donner.

155
Mein Baum treibt Knospen
Altes Laub fällt ab. Frühling!
Mein Trauma verweht.

156
Hellrosa vor alt
Kirschblüte am Ahnengrab.
Was war Eure Schuld?

157
Überlebender
Unter Überlebenden
Meine Aussegnung.

158
Das Wiesenschaumkraut
Verzaubert meine Seele
Als wäre sie heil.

159
Sonnenheiß der Tag
Die Wut brüllt Missbrauch aus Meins
Ich greif zur Feder.

160
Ich frag den Ahnen:
Was hast du unterlassen?
Sein Grab schweigt mich an.

161
Pro Jahrgang werden
Sechzigtausend Kids missbraucht
Von keinem beweint.

162
Wer denkt, du denkst, denkt
nicht daran, dass Meins manchmal
denkt, es wäre keins.

163
Gegenwart weht durch
Die Räume, die Meins formen
Nur die Form bleibt leer.

164
Ein Streit verwischt Meins,
Hilflosigkeit erfasst mich.
Riechsalz als Retter.

165
Zehr - sehr zertrümmert
Die Seele, das Selbst, all Meins
Fazit des Traumas.

166
Ein leerer Mensch blieb
Aus Splitter zum Selbst gefügt
Folge der Schändung.


167
Mein Wiesenschaumkraut
Wiegt sich geschmeidig im Wind
Du missbrauchtes Kind.

168
Da trafen sich Kind
Und Mann zum Moment in Meins
Anflug von Heilung.

169
Ein Senryū schreiben
Die Tinte duftet wie einst
Als Kindheit heil war.

170
Es ist ihm peinlich
Wie sie mit ihm mitleidet
Bericht vom Missbrauch.

171
Meine Geschichte
Wird dich zu Tränen rühren
Höre und fröstle.

172
Begegnung mit dem
Missbrauchten Kind, dass ich war
Der Schmerz ist so groß.

173
Wache Hinwendung
An das einst missbrauchte Kind
Gewaltig der Schmerz.

174
Punkt für Punkt listen
Welche Tat zum Thema wird
So geht Therapie.

175
Vor jeder Stunde
Fürchtet sich meine Seele
Unbemerkt - von mir.

176
Nach sechzig Jahren
Hebt die Mutter ihren Rock
Meins rettet den Bub.

177
Wieder nennt Meins sich
Er – als wär es nicht es selbst.
Blanke Verachtung.

178
Mutter hebt den Rock
Lockt den Bub und zeigt ihm ihr
Dreieck dunkler Scham.

179
Schau Bübchen, hieraus
Bist du zur Welt gekommen
Komm zu mir zurück.

180
Nägel und Hammer
Verbannen das Muttertier
Aus meinem Leben,

181
Ein kurzer Regen
Lässt die Wüste erblühen
Wie Zuspruch ein Kind.

182
Mein multipler Alb
Wandert mit mir durch die Nacht
Treuer Begleiter.

183
Mein Lotos durchdringt
Den Sumpf und blüht unbefleckt
In ihm ruht ein Kind.

184
Ein langer Schatten
Liegt über meinem Heilgespräch
Schwiegermutter stirbt.

185
Mein Sohn ist Täter
Er will meine Frau töten
Wandlung des Traumas.

186
Die Schwiegermutter
War Täterin ihrer Tochter
Trauma zum Trauma.

187
Wendelnd zum Wandel
Im Schneckentempo voran
Nur Wiedergeburt.

188
Lau mein Tag, mein Schmerz
Kein Arg will mich mehr fassen
Therapieende.

189
Sich umdrehen und dem
Bösen den Rücken zeigen
Das Heil erblicken.

190
Vision oder Alb
Es bleibt sich so seltsam gleich
Blick darüber weg.

191
Ich sehe schwarz, da
Wir des Nachts tiefschwarz träumen
Labsal im Morgen.

192
Jedes siebte Kind
Brennt im Feuer des Missbrauchs
Albtraum fürs Leben.

193
Im Wald der Tiger
In der Steppe der Löwe
Welt voller Räuber.

194
Kinderschänder geht
Gar nicht, sagte sein Opfer
Ganz politisch korrekt.

195
Schönredner rücken
Dicht zusammen, damit kein
Licht ihr Opfer trifft.

196
Male den Wald schwarz
In grau voll Kinderschänder
Und fürchte dich nicht.

197
Schreie, wenn du kannst
Dein Alb wird wieder geträumt
Solange du kannst.

198
Dir scheint am Ende
Des Tunnels nur das Licht, das
Allein in dir scheint.

199

Mein süßer Albtraum
Einmal mehr weinte ich nachts
Blutige Tränen.

200
Ins Korsett gedrillt
Herzlos, erkaltet mein Fühlen
Lieblich dem Schänder.

201
Gleich meiner Seele
Ein Leib verstümmelt, halbtot
Lebenslang heilen.

202
Gebt mir ein Gesicht
Damit ich Person werde
Die mich vor euch schützt.

203
Selbst nie geliebt, kost

Die Mutter den Sohn mit Macht

Verleibt sich ihn ein.

204
Niemand band ihn fest
Man bezwang seine Seele
Der Bub lief nicht fort.

205
Unsichtbar kann ich
Die wunde Seele schützen
Sinnloser Versuch

206
Missbrauch tönt aus mir
Lauscht dem Lied meines Leidens
Tausendfach gespielt.

207
Entsetzt äugen sie
Ihr Nachbar missbraucht sein Kind
Sehen und Schweigen.

208
Nacht für Nacht zieht mich
Der Alb in den Kinderwald
Posttrauma ist Stress.

209
Missbrauch hat System
Kenntlich durch Wort und Wesen
Kainsmal der Täter

210
Landschaft des Missbrauchs
Höllenqualen überall
Kein Schrei nach Liebe.

211
Mein Erzählen wird
Den Opfern zum Faden für
Ihr Überleben.

My telling becomes
the thread of survival
for all concerned.

212
Nach der Therapie
Blieben mir die Dämonen
Sie träumen mich nachts.

213
Verlassen, verletzt
Eine sonnige Kindheit
Inmitten der Hölle.



214
Der Mutter Möse
Schon vor Jahren eingeäschert
Triggert heute noch.

215
Manch missbrauchter Mensch
Wird zur Hülle seines Albs
Das blieb mir erspart.

216
Erst den Leib missbraucht
Dann die Seele zertrümmert
Nur die Hülle bleibt.

217
Wie oft wollte ich
Im Traum die Täter zwingen
Und schrie voller Angst?

218
Mit wunder Seele
Such ich statt PTBS
Nur Halt im Leben.

219
Sie sahen dich an
Während du von Missbrauch sprachst
Als wärst du ein Geist.

220
Der Kinder Seelen
Bluten gleich einer Springflut
So schlimm der Missbrauch.

221
Missbrauch löscht das Licht
In aller Kinder Augen
Das ist Seelenmord.

222
Seht, so kehre ich
Mein Innerstes nach außen
Leide und heile.

223
Nur ich, nichts weiter
Ein Ding zum schnellen Gebrauch
Spucknapf für Sperma.

224
Blumen des Bösen
Blühen in dunklen Seelen
Sie duften nach Schmerz.

225
Mal die Furcht, die Not
So schwarz, so blutig, so laut
Auf dass du erwachst.

226
Meine Seele fliegt
Seitdem zu gelben Blüten
Traumfarbenwandel.

227
Die Seuche geht um
Nur mag sie mich nicht schrecken
Ich bin satt von Angst.

228
Nichtzeit ist Albzeit
Dunkel scheint mein Seelenlicht
Bleibe still in mir.

229
Da stand die Mutter
Zeigte dem Bub Ihre Scham
Feucht ihr dunkles Haar.

230
Zur Probe hörst du:
„Sie sehen aber gut aus!“
Mir ist zum kotzen …

231
Der Reiz, die Seele
Ihres Buben zu morden,
War der Mutter Lust.

232
Mit der Erinnerung
Gefror die Seele zu Eis
Und die Wut kochte.

233
Schrei und kreisch der Ton
Meiner Träume jede Nacht
Ein gesunder Schlaf.

234
Bedrohlich wirkte
Das große schwarze Dreieck
Die Scham der Mutter.

235
Die Morgensonne
Scheint sanft durch meine Lider
Mein Albtraum glüht rot.

236 (ein Tanka)
Angewandelt von
Einem Duft aus Kinderzeit
Schrillt die Seele grell.

Ein Blitz trennt mein Selbst von mir
Da bleibt das missbrauchte Kind.



237
Farben und Striche
Palette der Traumata
Heilsame Skizzen.

238
Und dann starb sie – nicht
Sie hatte noch nicht genug
Von ihrer Bosheit.

239
Durch drei Dekaden
Missbrauch und Gewalt erlebt
Kein Schrei laut genug.

240
Im siebten Jahrzehnt
Träume ich noch von Missbrauch
Die Täter sind tot.

241
Die Nacht ist vorbei
Der Albtraum schon vergessen
Zaghaft in den Tag.

242
Die Opfer greinen
Derweil Gott die Täter liebt
Und Engel kotzen.

243
Nebel lockt Trübsinn
Bin so müde, als wär’s Herbst
Altern nach Missbrauch.

244
Purpur der Winter
Ein Kind wurde gerettet
Noch vor dem Missbrauch.

245
Täglich töte ich
Meine Vergewaltiger
Vater und Mutter.

246

Mama nimmt sich den

Schönsten Jungen als Püppchen

Er ist verloren.

247

Denk nicht an Miro
Es fehlt kein X für ein U
Nur Nacht und Trauma.

248
Zum Siebzigsten den
Körper zehnmal erneuert
Nur mein Trauma blieb.

249
Erst zertrümmern sie
Dir die Seele, dann den Leib
Ende der Schändung.

250
Taten, über die
Man schweigt, scheinen vergessen,
Doch sie wirken fort.

251

So erschienen sie
Alt, jungstoll, unersättlich
Ich war erst fünfzehn.

252
Zerfetzte Seele
In den Lefzen meines Albs
Jede Nacht erneut.



253
Ein-, Aus- und Umgang
Um meinerselbst zu schauen
Ein Blick ohne Halt.

254
Verfügbares Kind
Leib und Seel‘ vielfach missbraucht
Spürbar die Spuren.

255
Schwarzsehen wird nur
Wen kein Licht mehr täuschen mag
Licht scheint ihm wie schwarz.

256
Das sprachlose Kind
Mit Schwanz steht da als Titel
Prompt verlier ich mich.

257
Führe mich aus der
Hölle, der wir entstammen
Doch nicht entkommen.

258
Zwei Schrecken reißen
Meine Seele in Stücke
Ein Alb im Albtraum.

259
Sobald du nicht mehr
Vor Angst flüchtest, hast du dein
Leben verloren.

260
Einfach einschlafen
Und ohne Alb durchschlafen
Mein Traum vor dem Traum.

261
Mutters Todestag
Ich träume Alb von dieser
Kinderschänderin.

262
Ich bin, was ich bin
Und noch mehr, was ich nicht bin
Wer mag ich nur sein?

263
Wohlsein und Stille
Essenz für Seelenbalsam
Doch die Not wirkt fort.

264
Wie die Zeit vergeht
Neues Jahr, altes Traum
Nichts bleibt, wie es war.

265
Niemand zu sehen
In mir schrillt der Schrei des Albs
Bin nur ein Irrwisch.

266
In Nächten vor der
Therapie frisst mich der Alb
Schmerzensschrei im Schlaf.

267
Nur ein Augenblick
Als wäre alles normal
Doch der Schatten bleibt.

268
Tät ich vergeben
Gäb ich meine Würde hin
Den Tätern zum Sieg.

269
Tag um Tag such ich
In mir mein Selbstverständnis
Ein Quell, der nie floss.

270
Da das Durchlebte
Hier Meins, das was sich findet
Ganz werden sein Wunsch.

271
Bin als Echo erwacht.
Nur wer rief mich ins Leben?
Wo ich schon still war.

272
Zur Fliederblüte
Denke ich zurück, als mich
Die Mutter fickte.

273
Nur leicht verschlüsselt
Die Erinnerung im Bild
Gellend schwarz wie hell.

274
Nach siebzig Jahren
Erstmals ein Albtraum, der ein
Gutes Ende fand.

275
Ein Alb träumt und stürzt
Mich wie gewohnt in ein Maar
Doch Meins bezwingt ihn!

276
Schreck und Schrei im Schlaf
Kein Traum, sondern blanker Horror
Mein Alb frisst sich auf.

277
Das Kind, das war, wurd‘
Mir aus dem Leib geprügelt
Seitdem bin ich leer.

278
Therapie als Raum
In dem ich mich bestimme
Es bleibt beim Versuch.

279
Mich selbst norden heißt:
Von meiner selbst verlassen
Mein Licht zu finden.

280
Einer vorn, einer
Im Spiegel, daneben ich
Als Selbstbetrachter.

281
Eine Bewegung
Mal hier, mal da aufscheinend
Mein Seelenwehen.

282
Meins bleibt unbestimmt
Wie soll es sich auch finden,
Wo ich selbst nicht bin.

283
Wähne mich all-ein
Um der Seele Hort zu sein -
Einsam wächst mein Ich.

284
Wieder und wieder
Schrie der Alb aus meinem Traum
Nun scheint er gebannt.

285
Selbstermächtigung
Hieß ja zur Machtlosigkeit
Seitdem wachse ich.

286
Kaum löst sich der Alb
Scheint das Trauma durch den Leib
Schier endlos mein Leid.

287
Zwei Ufer säumen mich
Nur das Eigentliche fehlt
In mir fließt kein Fluss.

288
Sind Fluss und Ufer
Eins, spricht man vom Trockenbett
Meins scheint durstig zu sein.

289
Therapie als Raum
In dem ich mich bestimme
Es bleibt beim Versuch.

290
Mich selbst norden heißt,
Von meiner selbst verlassen
Mein Licht zu finden.

291
Einer vorn, einer
Im Spiegel, daneben ich
Als Selbstbetrachter.

292
Eine Bewegung
Mal hier, mal dort aufscheinend
Mein Seelenwehen.

293


294
Wähne mich all-ein
Um der Seele Hort zu sein
Einsam wächst mein Ich.

295
Niedlich wird betatscht
Schäm dich kluges Kind! Machst uns
Zu Kinderschändern.

296
Scham für das, was man
Mir antun musste, weil ich
Ein hübscher Bub war.

297
Gutmenschen meinen
Wie ich was benennen soll
Auch sie sind Täter.

298
Als Kind noch Weltraum
Brach ein Ast vom Pfirsichbaum
Barst mein Selbst von mir.

299
:“Zeig mir dein Gesicht!“
Der Versuch, mich zu sammeln,
Blieb fragmentarisch.

300
Irgendwie bist du da
Nur weißt‘ dich nicht zu fassen
Flüchtig hie und da.

301
Ins Einsein getaucht
Vom Schutzengel gesammelt
So könnte Ich sein.

302
Aus welch Not du kamst
Zeigt erneut mein Blick zurück
Es war Seelenmord.

303
Ernste Gedanken
Auf hundert Kilometer
Weg zur Therapie.

304
Drei Stunden Fahrt
Eine Stunde Therapie
Mein Trauma heilen.

305
Zur Heimfahrt denke
Ich zurück an das Gespräch
Wohlig das Gefühl.

306
Schwarz mein Alb – ein Hund
Es könnte der Teufel sein
Ich zieh ihn handzahm.

307
Bin ein Alb fresse nur
Herz und Seele der Opfer,
Die sich nicht wehren.

308
Sinne auf Schutz und
Sehe Engel gleich Bäumen
Da mag ICH wurzeln.

309
Suche nach mir selbst
Nur wie kann ich was finden
Was ich nicht kenne.

310
Mit acht folterte
Mich ein Erzieher im Heim …
Was soll ich sagen!?

311
Nur wenige Blüten
Auf wintermüden Matten
Abbild des Traumas.

312
Ins Trauma hinein
Um es zu überwinden
Dann überleben.

313
Vor zwölf Jahren starb

Die Frau, die mich missbrauchte.

Es war die Mutter.

314
An dem Tag begann
Meine Traumatherapie
Mit feuchten Augen.

315
Der Missbrauch begann
Als ich fünf Jahre alt war.
Ich rieche sie noch.

316
Mutter mein Albtraum
Ich spei dich in die Hölle
Zwölfter Todestag.

317
Scham und Wut über
Die erlittene Schändung
Trägt nur das Opfer.

318
Heller Sonnenschein
Ich denke an die Eltern
Sonnenfinsternis.

319
Vater und Mutter
Durch und Durch Kinderschänder
So klingt ihr Namen.

320
Begegnung in mir
Er und Ich werden zum Raum
Perso wird Person.

321
Ich sein ist Heilung!
Die zertrümmerte Seele
Formt sich zum Gleichklang.

322
Er und Ich formt Wir
Zum Raum aus dem wir klingen
Uns ganz erleben.

323
Durchs Novembergrau
Rollt mein Zug zur Therapie
Grausam das Thema.

324
Ein Hauch Wohlgefühl
War seiner Seele Heimat
Ein missbrauchtes Kind.

325
Mich selbst annehmen
Heilt meine wunde Seele
Ich vereine mich.

326
Streichle meinen Kopf
Mein Gesicht, meine Seele
Sanft werde ich heil.

327
Wer die Wahrheit von
Verübten Missbrauch vertuscht
Mordet das Opfer.

328
Ein Junge wurde
Von seiner Mutter missbraucht
Das Verbrechen vertuscht.

329